Seit der Gründung des Reitvereins im Jahre 1905, damals noch als Rennverein, ist viel geschehen….
Vom Rennverein zum heutigen Reit- und Fahrverein
Historie des Auer Pferdesports 1905-2026
Gründung des Rennvereins am 10. August 1905 mit 15 Gründungsmitgliedern. Unter ihnen: Br-Frh. von Peccoz, Hr. Abstaller, Hr. Lorenz uva.
Zweck: „… das Interesse für Pferdezucht durch jährlich zu veranstaltende Pferderennen zu erwecken und zu beleben und den Fremdenverkehr im Markte zu fördern“.
Dem edlen Zwecke entsprechend waren in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts hochrangige Auer Bürger vertreten und engagiert. So waren Zeitungsberichten und Vereinsprotokollen zufolge anlässlich der Pferderennen die Marktstrassen zum Bersten gefüllt. Unterteilt waren die, weit in die Region bekannten Rennen in Sulky-Trabrennen und Flachrennen. Die Preisgelder waren stattlich und jene, die versuchten von unbezahlten Plätzen aus dem Treiben auf den Wiesen der Abens beiwohnen zu können, reichlich.
Die Jahre des 1. Weltkriegs überstand der Rennverein zu Au zumindest finanziell unbeschadet und konnte sich in den folgenden Jahren wieder stark organisieren. Hinzu kamen nun Pferde-Spring-Rennen, die, abgehalten in den herrschaftlichen Abenswiesen, stattlich prämiert und mit stehenden und seidenen Faden belohnt waren. Bis zum Jahre 1938 lassen sich diese Aktivitäten, anhand der Sitzungsprotokolle, im Gasthaus Rosenwirt abgehalten, nachvollziehen.
Nach den schrecklichen Jahren des 2. Weltkriegs formierte sich der Verein 1949 wieder, versammelte sich fortan im Gasthaus Strassberger und stellte die sportlichen Aktivitäten wieder auf die Beine. Sog. Rennkomitees organisierten von nun an die Auftritte der Traber und Springreiter – Kassier Kreuss hatte damals u.a. zur Aufgabe das geringe Guthaben des Vereins von Reichs- in Deutsche Mark umzuwandeln, ein symbolischer Schritt, denn von nun an widmete sich eine aktive Mannschaft den Geschehnissen des Vereins, beispielsweise der 600-Jahr-Feier der Marktgemeinde im September 1950. Der allgemeinen Not folgend waren auch die Preisgelder für die Pferdesportler reduziert, was jedoch dem aktiven Reiter keineswegs die Laune an Turnieren verdarb.
So gingen die 50er und 60er des 20. Jahrhunderts dahin und ein frischer, junger und reitbegeisterter Nachwuchs bildete sich heran. Teils auch im Moosburger
Reitverein organisiert. Unter besonderem Einsatz von Strassberger Josef sr. hob diese neue Mannschaft schließlich im Jahre 1973 den Auer Reit- und Fahrverein aus der Taufe und begann somit dem
Pferdesport in Au ein neues Gesicht zu geben.
Dies erhielt Form durch eine neue Satzung, der Verein war von nun an Mitglied des Bayerischen Landessportverbands und hatte sich insbesondere um den Nachwuchs zu kümmern. Reiterfeste und Turniere
waren weiterhin Hauptbestandteil des Vereinslebens. Gegründet wurde der bis heute in dieser Form bestehende Verein von engagierten Pferdefreunden, allen voran Hans Kühner, der die Geschicke des
Vereins durchgehend bis 2002 leiten sollte. Eine der größten Aufgaben hatte sich der Verein bereits bei Gründung gestellt, eine neue Reithalle zu errichten, und die entsprechenden Außenanlagen im
Laufe der Zeit dazu. Dies wurde im Jahre 1976 in Angriff genommen und alsbaldig realisiert, durch eine Mitgliederumlage entsprechend finanziell gesichert.
In dieser Hochzeit vollbrachte der Verein und vor allem seine Aktiven eine enorme Anstrengung: Neben dem Hallenbau wurden Reiterfeste, Faschingsbälle, Volksfestbeiträge und Turnierprogramme, Sommernachtsfeste und Reiterjagden abgehalten. 1977 fand auch die erste Christbaumversteigerung des Vereins statt, die Pferdesegnung am Pfingstmontag wurde fester Bestandteil des Vereinsgeschehens. Im Laufe der Jahre konnte sich die Vereinsleitung nun mehr und mehr den sportlichen Qualitäten des Vereins widmen und begann neben den vereinsinternen Veranstaltungen, wie der Auer Rosstag, große und hochklassige Turniere auszurichten. Der Auer R.u.FV erhielt somit bayernweit einen hervorragenden Ruf, bezüglich der Reitplatzbedingungen, der Turniergrösse, der reitsportlichen Anforderungen und hervorragenden Verpflegung während des sportlichen Geschehens und der Siegesfeiern. Inge Stock und ihr Küchenteam stärkte auf beste Weise über Jahrzehnte alle sportlichen Aktivitäten und die Klasse des Vereins.
Die stetig wachsende Anzahl von Frauen im Pferdsport fällt in den letzten zwei Jahrzehnten des 20 Jhdt. besonders ins Auge. Frauen haben den Pferdesport für sich in Anspruch genommen und füllen ihn aktiv, wie nie zuvor, aus. Viele anspruchsvolle Reitkurse im Bereich Dressur, Springen und Westernreiten, sowie Gespannfahrerlehrgänge brachten den Verein im Zusammenwirken mit hierzu passenden Wettbewerben auf ein beachtliches sportliches Niveau. Auch Freizeitreiter, Vielseitigkeitsreiter und Longierer waren und sind im Verein aktiv.
Nach nunmehr 29 Jahren als erster Vorstand tritt Hans Kühner von seinem ausgefüllten Amt zurück. Maßgeblich hatte er, wie erwähnt, den Aufbau und die Geschicke des Vereins bestimmt. Zusammen mit einer sehr motivierten erweiterten Vorstandschaft übernimmt Heribert Zoth sein Amt für eine Wahlperiode, in der viele notwendige Renovierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Günter Wortmann folgt für 12 Jahre in dieser Position.
Im Jahre 2017 wird Markus Clases, langjähriges Vereins-und Vorstandsmitglied, zum ersten Vorsitzenden gewählt. Die Verbindung zu vielen Auer-Marktvereinen wurde traditionell seit Bestehen des Reit- und Fahrvereins gut gepflegt und ist bis heute Bestandteil des Auer Vereinslebens.
Die erste Frau in der Position des ersten Vorstands wird im Jahre 2022 Johanna Trostl, ebenfalls von Jugend an Vereinsmitglied.
Der RuFVerein hat in den vergangenen Jahren einige der alten, verdienten Mitglieder, passionierte Reiter und Gespannfahrer, verloren. Ihnen wird hiermit ein Nachruf und ein „Dankeschön“ zuteil.
Steigende Lebenshaltungskosten, erhöhte Tarife bei Veterinären und Allgemeinkosten erschweren in den letzten Jahren die Tierhaltung. Die Reitanlage samt Halle befindet sich hauptsächlich auf, von der katholischen Kirche gepachtetem Grund. Einige Parzellen sind von privat gepachtet. Der Pachtvertrag mit den entsprechenden Vereinbarungen u.a. „… Förderung der Jugend…“ ist auf weitere Jahrzehnte vertraglich gesichert. Somit tragen etwa dreihundertfünfzig Mitglieder, eine einsatzfreudige Küchenmannschaft, Trainings und Seminare den Verein in eine pferdesportbegeisterte Zukunft.
Mit herzlichen Grüßen aus Au,
der Reit- und Fahrverein Au / Hallertau